Üble Gedanken und schlechte Träume

Doran hob den Blick und seufzte schwer als er Lord Azrael Isenwald in dem Eingang zum Bordell auftauchen sah. Er hatte etwas Ruhe und Abwechslung nach den zermürbenden Besprechungen und Audienzen gesucht. Nymeria war mit dem kleinen Tristan zu einer kleinen Auszeit nach Zitronenhain gereist und ihm stand der Kopf nach etwas dorne-124_003Zerstreuung und nicht nach stichelnden Reibereien oder gar offenen Respektlosigkeiten von Seiten des neuen Lords Isenwald.

Ihm lag die schreckliche Audienz vor einigen Tagen noch vor Augen. Offene Respektlosigkeit war eine arg beschönigte Redewendung für das was dort vorgegangen war. Lord Azrael war mit bewaffneten Wachen in den Thronsaal gestürmt und war der Ansicht, seine Befehle wären vorrangig dem des Fürsten. Dazu noch zeigte er offen seine Abneigung in dem er öffentlich bekundete er wolle die Fürstin im privaten Rahmen sprechen. Doran wusste, dass es eine enge Verbindung zwischen Nymeria und Azrael Isenwald gab. Im Allgemeinen sorgte er sich nicht darüber. Sie hatte die Wahl gehabt seinen Antrag anzunehmen oder aus Liebe zu Lord Azrael abzulehnen. Sie hatte sich entschieden ihn zu heiraten und das ganz frei und mit dem Wissen, dass er sich egal wie sie sich entscheiden würde zu ihr und zu dem Kind halten würde. Selbst als sie den Antrag angenommen hatte, hatte sie zunächst klargestellt, dass ihre Gefühle durch das Geschehene ins Wanken geraten waren. Aber sie waren sich im Laufe der Zeit wieder näher gekommen und hatten zu einer Vertrautheit gefunden, die Dorans Herz wärmte. Diese Tatsachen genügten Doran um sich ihrer Zuneigung und der Tatsache, dass sie zu ihm stand, sicher zu sein.dorne126_004

Doch mit Lord Isenwald sah es anders aus. Wie es schien hatte er die Tatsache der Heirat und ihres gemeinsamen Sohnes noch nicht verwunden und sein ganzer Zorn äußerte sich in seinem Benehmen. Azrael hielt nicht viel von seinem Fürsten und dieses Gefühl beruhte zur Gänze auf Gegenseitigkeit. Dennoch hatte Doran ihm aufrichtig und herzlich gedankt, für den Erfolg am Knochenpass. Aber statt Würde zu wahren, hatte er sich aufgeführt als wäre Doran nicht sein Fürst und als würden die Truppen, selbst die Martellschen die seinen sein. Hatte sich Freiheiten herausgenommen, die nach Dorans Meinung ihm nicht zustanden. Doran hätte ihn gewähren gelassen und ohne zu zögern, den Entscheidungen zugestimmt aber die herablassende Art mit der der neue Lord diese vortrug reizte den Zorn Dorans und so hatte er mal wieder die Geduld verloren und offen gegen diese Anordnungen sein Veto eingelegt. Natürlich hatte er das Recht dazu gehabt und den Posten des Lord Kommandanten Azrael zu entziehen hatte er sowieso vorgehabt. Aber nun tat er es im Zorn und ohne begründeten Anlass und diese Entscheidung hatte nicht nur Nymerias Stirn zum Runzeln gebracht. Diese arrogante Art brachte ihn immer wieder dazu seine Ruhe und Ausgeglichenheit zu verlieren. Lord Azrael tat so als wäre der Sieg am Knochenpass ihm allein zu verdanken, dabei wäre das Haus Isenwald gefallen wenn nicht die Ersatztruppen rechtzeitig eingetroffen wären. Der Knochenpass war so gut wie verloren gewesen. Doran erinnerte sich wie diese Nachricht damals auf der Terrasse Nymeria erschüttert hatte. Er war sich nicht sicher was sie so 123_002niederschlug. Die Möglichkeit, das Azrael gefallen sein könnte oder es in Bälde würde oder die Tatsache, dass offene Kämpfe in Dorne zu erwarten waren wenn die Truppen über den Knochenpass ins Land einmarschierten.

Doran beschäftigte mehr die Tatsache, das Haus Isenwald selbst dafür gesorgt hatte das der Knochenpass fiel. Den Kopf des Dondarrions, den Azrael so hochtrabend Doran zu Füssen gelegt hatte, hätte er lieber auf dessen Schultern gehabt. Ein abgetrennter Kopf war nicht dienlich um Fragen zu beantworten. Er traute Azrael nicht. Sein Vater und sein Bruder hatten sich auf die Seite der Verräter gestellt und Doran konnte aufgrund der Abneigung Azraels gegen seine Person nicht sicher sein, dass nicht auch Azrael von dem Feuer des Verrats erfasst worden war und ihm mehr verheimlichte als gut für Dorne sein würde.

Nymeria hatte ihren offenen Streit mit strafenden Blicken kommentiert und Doran war nicht dazu gekommen sich mit ihr auszusprechen. Sie war übereilt und ihm nur mit kurzen Worten mitteilend das sie abreiste nach Zitronenhain geeilt. Hatte seinen Sohn mit sich genommen und Doran zurückgelassen. Sie fehlte ihm. Sein Sohn fehlte ihm. Ein paar Mal schon war er versucht gewesen, einfach nach Zitronenhain zu reisen und in der Zuflucht des Hauses Dalt mit Nymeria zu sprechen.dorne-127_006

Die wahrlich schwere Geburt hatte sie entgegen allen Erwartungen gut überstanden. Sie war schneller vom Kindsbett genesen als so manche Bauersfrau bei ihrer dritten Entbindung und auch der Kleine schien wohlauf. Dennoch wirkte sie oft müde und abweisend und Doran konnte nicht behaupten das ihm das gefiel. Aus Rücksicht auf ihren körperlichen Zustand hatte er ihr länger nicht beigelegen und er spürte, dass ihnen diese Trennung nicht gut tat.

Er lud Azrael ein sich zu ihm zu setzen, aber nur unter der Bedingung das sie ihrer Sticheleien und Beleidigungen für diese Zeit hinter sich liesen. Er war zu müde und abgeschafft um sich heute dem zu stellen. Azrael ging auf den Kompromiss ein und setzte sich zu dem Fürsten. Doch sie hielten die wichtigen Themen außen vor. Unterhielten sich bei einem Bier nur über dieses und andere Belanglosigkeiten. Schon bald brach der Lord auf und Doran, der von den schlechten Träumen der vergangenen Nächte am Schlaf gehindert wurde, verzichtete auf das Vergnügen eine Nacht in den Armen einer Dirne zu verbringen. dorne125_004Isabella war nicht mehr hier. Doran hatte sie von einigen Wachen in die Sicherheit bringen lassen, nachdem die Papiere unterzeichnet und sicher verwahrt waren. Und keines der anderen Mädchen war fähig seine Lust zu wecken. Er seufzte erneut als er sich erhob. Wie sehr wünschte er sich, er könne an Nymerias Tür klopfen und die Nacht in ihren verlangenden Armen verbringen.

Die kurze Begegnung mit Maester Arian half ihm dabei auch nicht weiter. Allerdings bot der Maester einen Tee an, der die schlechten Träume verbannen würde. So gelang es Doran vielleicht morgen einen klaren Kopf zu haben. Dann würde er sich überlegen ob er Nymeria nachreiste oder ob er sich in Geduld üben würde bis sie wieder zurückkehrte.

Hochzeit

Keuchend, abgehackt und vor Lust gebrochen rauer Stimme spricht er ihren neuen Namen aus: „Fürstin Nymeria Nymerios Martell, ich habe mich beeilt, euer Gnaden. Ganz nach Euren Wünschen.“ Während er langsam auf das Bett zugeht, öffnet er den Gürtel seines Mantels der daraufhin lautlos zu Boden gleitet. Nymeria steht neben dem Bett und bei seinen Worten dreht sie sich ihr Kopf in seine 122_001Richtung. Ein Lächeln auf den Lippen sagt sie mit sanfter Belustigung in der Stimme „Wie es sich geziemt, Mylord.“ Auf seinem Weg kurz unterbrochen, durch die Widerspenstigkeit seiner Stiefel, kann er den Blick nicht von ihr nehmen. Im Widerschein der Kerze, durch das seidene Stück Nichts das sie trägt, 120_004zeichnet sich die Silhouette ihres Körpers deutlich ab. Er spürt wie das Blut in seine Lenden schießt. Bei ihr angekommen legt er sanft den rechten Arm um ihre Schultern, zieht sie an sich und seine linke legt sich zärtlich streichelnd auf den Höhepunkt der Wölbung ihres Unterleibes. „Wie kann es sein, dass ich dich jeden Tag begehre und den nachfolgenden Tag noch mehr als den Tag zuvor?“ Still schaut 120_001sie ihm mit einem wissenden Lächeln ins Gesicht und legt ihre Arme um seinen Hals und streckt sich leicht nach oben um ihn zu küssen. Er nimmt es als Einladung, legt die Hände unter ihr Gesäß, öffnet ihre Schenkel und setzt sie sich auf die Taille. „Du hast mich heute sehr glücklich gemacht, Nymeria und jetzt werde ich dich glücklich machen, meine Fürstin.“

Sanft streicht er ihr die Strähne aus dem schlafenden Gesicht. Er schmunzelt als sich ihr Mund leicht unwillig verzieht. Sie tat gut daran zu schlafen. Der Tag hatte es in sich gehabt, die Zeremonie, die Feierlichkeiten und zum Abschluss noch eine leidenschaftliche Liebesnacht, die ihre Verbindung unumstößlich gemacht hatte. Nun war sie endlich sein Weib. Noch vor wenigen Stunden war er Unsicher gewesen, ob sie es sich nicht doch noch im letzten 120_003Augenblick anders überlegen würde. Nervös war er nach dem Gespräch mit dem Septon in seinem Gemach auf und ab gegangen. Das Gespräch mit dem Septon war erfolgreich verlaufen. Sie waren nochmals die Zeremonie durchgegangen, damit am Abend alles glatt laufen würde. Danach hatte er mit dem Septon gesprochen. Obwohl er es vorsichtig und neutral formuliert hatte, ließ er dem Septon kaum eine Wahl gelassen zu erkennen  wie wichtig es war, dass er sich gegen die Radikalisten des Glaubens stellte und dies auch Öffentlich. Im Ergebnis hatte der Septon, die einleitenden Worte zu der Hochzeit genutzt. Und obwohl einige erstaunte und teils unwillige Ausrufe zu hören gewesen waren, war Doran mit den Worten des Septons mehr als zufrieden. Sie würden gemeinsam herausfinden, welche der Häuser dieser neuen Strömung zugetan war. Die Zeremonie war ohne Pannen und sehr würdevoll verlaufen. Sie hatten gemeinsam den Treueeid gesprochen, hatten sich die Hände gereicht und zum Abschluss geküsst. Doran hatte nicht an sich halten können und so wurde ganz Dorne Zeuge der Leidenschaft, die er für seine Braut empfand. 120_006Bei der sich anschließenden Feier war es gesellig und laut zugegangen. Doran hatte eine Rede des Dankes gehalten in der ausdrücklich Miranda Dayne und die Rettung der Fürstin hervorhob. Er hatte den Häusern gedankt für ihre Treue und für ihren gemeinschaftlichen Rückhalt und natürlich auch hatte er den auch Soldaten gedankt, die im Kampf für Dorne ihr Leben einsetzten oder einsetzen würden. Nicht zuletzt hatte er Nymeria gedankt, dafür dass sie ihn zum Mann genommen hatte und dann hatte er dem Volk freudig verkündet, dass Nymeria sein Kind unter dem Herzen trug. Die Herolde, die die Worte des Fürsten in der Stadt an das Volk weitergaben, hatten ihre Mühe den Ausklang der Rede noch zu Gehör zu bringen, so laut und euphorisch war die Reaktion des 120_007Volkes auf diese Ankündigung. Nymeria selbst hatte er mit wenigen Worten den Siegelring der Martells überreicht und es schien ihm als wäre sie aufrichtig erfreut über dieses doch eher praktische und notwendige Geschenk. Dann war es an der Zeit, dass Fest zu genießen. Doran ließ eine Platte für Nymeria antragen und Vorkosten und als sie mit Appetit zu essen schien, freute er sich. Danach nahmen sie getrennt voneinander die Glückwünsche und Huldigungen der Lords und Ladies entgegen. Natürlich, diente die Festlichkeit nicht nur um höfliches Geplänkel auszutauschen, vielmehr versuchten sie durch Geschick und Klugheit herauszufiltern welche Familien besonders anfällig für „den Boten“ sein könnten.121_005

Als Nymeria sich verabschiedete brauchte es für Doran nicht viel Überredungskunst um ihr so schnell wie möglich zu folgen. Sie trug zwar schon sein Kind, aber die Ehe schlussendlich zu vollziehen war dennoch eine Pflicht, die er mit freudiger Hingabe, ausdauernder Geduld und offenkundiger Leidenschaft gedachte in Angriff zu nehmen.121_001

Leise im Schlaf murmelnd drehte sich Nymeria auf die andere Seite. Fast hätte er aufgelacht wie ihr hügeliger Bauch für einen kurzen Moment das Laken anhob um dann wie ein rollendes Fass im Bauch eines Schiffes auf der anderen Seite zu verschwinden. Er schmiegte sich an ihren Rücken, legte die Hände schützend auf ihren Bauch und flüsterte seinem Kind leise Koseworte zu. In der Hoffnung Schlaf zu finden, schloss er die Augen. Doch der Schlaf wollte einfach nicht kommen. Als Doran durch die Fenster die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages wahr nahm gab er es auf. Er zog sich leise an nahm seine Stiefel in die Hand und schlich auf nackten Sohlen aus dem Gemach. 121_003Die Wachen begrüßten ihren Fürsten und Drei folgten ihm hinunter in die Stadt. In der Ferne hörte er von verschiedenen Orten noch immer Feiermusik. Sonnspeer feierte noch immer. Er hielt sich davon fern und ging auf Umwegen in Richtung Hafen. An dem Bordell, das in Nähe des Hauses Dalts lag, kam er dennoch vorbei. Die Wachen zogen geschwind ihre Schwerter als ein Schatten sich neben der im Dämmerlicht liegenden Hauswand löste. „Mein Fürst, verzeiht.“ Doran befahl ihnen mit einer Handbewegung inne zu halten als er die weibliche Stimme erkannte. „Ja?“ gab er kurz 121_008angebunden von sich. „Bitte, verzeiht mir vielmals, mein Fürst. Ich müsste mit euch reden.“ mit einem Seitenblick auf die Wachen setzte sie ein zögerliches „Allein!“ nach. Den Protest der Wachen erstickte er im Keim und ging mit ihr auf etwas Abstand, damit sie was auch immer sie zu sagen hatte loswerden konnte. Es dauerte nicht lang bis sie gesagt hatte, was es zu sagen gab und 121_009Doran verstehend nickte. „Keine Sorge. Ich regle das.“ Er schaute sie an und egal ob ihr Mut aus der Verzweiflung und der Sorge heraus geboren worden war. Sie hatte Mut bewiesen und Doran würde ihn nicht unbelohnt lassen.

Feigen, Hintern und andere Anzüglichkeiten

Sie hatten noch eine ganze Weile bei einander gesessen. Nymeria entspannten sich etwas als er von der Begegnung mit Lady Ashara Isenwald berichtete. Seine leicht überzogene Erzählung von dem Flirt mit der jungen Frau brachte Nymeria zum Schmunzeln. Lady Ashara war nach Sonnspeer gekommen, als sie beschlossen hatte ihr Leben doch nicht als Septa zu verbringen. Sie war eine Isenwald und allein schon deshalb war Doran zurückhaltend im Umgang mit ihr. Doch ihre offensive Art mit ihm zu schäkern, hatte ihn belustigt und angestachelt, sie aus der Fassung zu bringen. Aber er hatte tief in seine Trickkiste greifen müssen. dorne106_004Sie hatte es wahrlich zur Kunstform erhoben die Unschuld zu verkörpern. Erst als er ein Feige geschickt aufritzte, das Fruchtfleisch so herausgedrückte, das die Frucht nunmehr eine dorne106_003unmissverständliche Ähnlichkeit mit der weiblichen Anatomie aufwies und mit seinem Mund das Fleisch geräusch- und äußerst genussvoll herausgesaugte, senkte sie ihren Blick und ihre Wangen glühten als könne man Eier darauf braten. Für einen Augenblick war sie danach wirklich zurückhaltend gewesen. Doch schon als er sie einlud in den Wassergärten etwas Abkühlung zu finden, war sie dorne106_007wieder zu ihrer Koketterie zurückgekehrt. Als er galant und dem Reglement entsprechend ihre Hand um seinen Unterarm legte, drängte sie sich eng an ihn als wären sie ein Liebespaar, das anderes im Sinn hatte als eine Abkühlung zu finden.

Der Weg zu den Wassergärten war zum Glück nicht allzu lang und als sie im Garten auf Ser Beltran und eine junge Frau stießen, die sich als die heldenhafte Lady Miranda Dayne herausstellte, schien es als wäre Lady Ashara selbst ein wenig peinlich berührt. Doran nahm es ihr nicht übel. Ser Beltran war eine weitaus lohnendere Beute, zumal Dorans Hochzeit in zwei Tagen stattfinden sollte. Doch so wie Ser Beltran Miranda Dayne anblickte schien es Doran als wäre Lady Asharas Charme auch bei Ser Beltran vergebliche Mühe.dorne106_008

Nymeria ob die Brauen leicht an, als Doran erzählte, dass Lady Miranda ihn nicht als ihren Fürsten erkannt hatte. Über den Fauxpas verärgert zuckte Miranda unwillkürlich zusammen und ihre dorne106_009anschließende Begrüßung sollte wohl den angerichteten Schaden vergessen machen. Doran ging über die kleine Unsicherheit hinweg, dankte ihr dann persönlich und ausgesprochen herzlich für ihren Einsatz und ihren Mut, bei der Beseitigung der Assassinen, die sie auf dem Schiff hatten unschädlich machen können. Und wenn man Ser Beltrans überschwänglichen Beschreibungen Glauben schenken mochte, schien die Knappin über weitaus bessere Fertigkeiten zu dorne106_010verfügen als der Ritter selbst. Der einstige Wildfang, der mit fliegenden Zöpfen auf wilden Pferden sitzend ihre Geschwister zur Verzweiflung getrieben hatte, allen voran Mereya, war zu einer hübschen jungen Frau herangewachsen. Die Wahl als Knappin zu dienen wurde wohl ihrer wilden Natur gerecht, doch Doran sah die feinen Züge ihres Gesichtes und ihrem zarten Körperbau sah man nicht an, dass sie in der Lage war ein Schwert zu schwingen.

„Kein Wunder, dass der poetisch veranlagte Ser Beltran ihr zugetan ist.“ Auf Nymerias Gesicht lag ein Lächeln. Doran nickte Nymeria zu. „Ja, sie ist wirklich hübsch, die kleine Miranda Dayne. Mit ihrer hellen Haut und den fliederfarbenen Augen der Daynes. dorne106_012Ich sollte mich jetzt aufmachen meine Liebe. Ich danke dir für das ausgiebig und amüsante Frühstück, aber wenn du keinen Mann an deiner Seite willst, dessen Hintern dicker wird als der eines Pferdes sollte ich mir noch etwas Training gönnen bevor ich heute wieder den ganzen Tag auf dem selbigen verbringen werde.“ Nymeria lachte herzlich auf und als er sich zu ihr beugte um sich zu verabschieden spürte er einen festen Klaps auf seinem Hintern. „Dann sehe mal zu das der knackig bleibt, mein Fürst.“ Er verbeugte sich tief vor ihr und zwinkerte ihr zu als er sagte: „Ich gebe meine Bestes, meine Fürstin.“

Hunger !

Ein Keuchen entrann seiner Kehle als der harte Schlag des Gegners auf seinen Schild traf. Der Stahl klirrte und Doran spürte den Aufprall bis in sein noch immer angeschlagenes Bein. „Verlagert das Gewicht, mein Fürst.“ Die Stimme von Ser Rochnat, der die Martellknaben schon von Kindesbeinen an im Schwertkampf trainiert hatte, klang mittlerweile leicht genervt. Doran fiel es schwer sich umzugewöhnen. Die große Wunde an seinem Oberschenkel war nur langsam abgeheilt und obwohl die oberen Hautschichten geschlossen zu sein schienen, plagten Doran noch immer Schmerzen wenn er das Bein zu sehr beanspruchte. Während und nach den Schwertkampfübungen war es immer besonders schlimm. Rochnat hatte 107_001vorgeschlagen das Doran sich in seinen Bewegungsabläufen umstellte, um eine Entlastung des Beines und des Oberschenkelmuskels zu erreichen. Aber sein Leben lang hatte Doran auf eine Art gekämpft und zumeist reagierte er rein intuitiv. Eine Umstellung zu beschließen war leichter als sie im Kampf auch umzusetzen. Es war als wäre er wieder ein Kind und würde von Neuem beginnen. Allerdings war er jetzt nicht mehr 8. Sein Körper hatte schon Jahre des Kampfes hinter sich gebracht und egal wie verbissen er sich bemühte, entweder fühlte er sich wie ein Verlierer oder der Schmerz in seinem Bein trieb ihm die Tränen in die Augen. Er biss die Zähne zusammen und schnaubte erbost: „Nochmal von vorn.“ Sie kämpften noch eine Weile. Zu seiner Befriedigung bemerkte Doran, dass auch sein Gegner hörbar schwerer atmete. Zumindest war er noch immer in der Lage einen wesentlich jüngeren Gegner zum Keuchen zu bringen. „Ihr werdet euch umstellen, mein Fürst. Irgendwann!“ Rochnat klopfte Doran väterlich auf die Schulter. „Es ist noch ein langer Weg aber ich bin mir sicher, dass ihr den Dreh bald raus haben werdet.“ Doran verzog mürrisch die Mundwinkel und ließ das kühle Wasser aus der Feldflasche in seinen Mund laufen. Er nickte dem jungen Krieger, der sich mit einer leichten Verbeugung verabschiedete, kurz zu und wandte sich an Rochnat. „Ja wenn mich bis dahin nicht einer im Kampf gevierteilt hat.“ Rochnat lachte auf. „Das wird keiner wagen.“ „Ja, von den Unseren wird das niemand wagen. Aber wer weiß was am Knochenpass gerade geschieht. Wie lang wird es dauern bis sie vor den Toren Sonnspeers stehen wenn der Knochenpass fällt.“ Doran wischte sich mit einem Leinentuch den Schweiss aus dem Nacken. „Lange genug um euch wieder Kampfbereit zu machen, mein Fürst. Nehmt ein Bad und lasst euch im Badehaus kräftig durchkneten. Das lockert eure Muskeln und bringt euch wieder auf andere Gedanken.“ Mit einem Grinsen im faltigen Gesicht verneigte sich Rochnat und ging dann pfeifend seiner Wege. 107_002

Doran beherzigte den Rat des alten Schwertmeisters. Nach dem ausgiebigen Bad genoss er die kräftigen Hände des Bademädchens, die seine Muskeln knetete wie der Bäcker seinen Brotteig. Doran gelang es zu entspannen. Den restlichen Tag würde er wohl auf seinem Hintern sitzend im Thronsaal verbringen. Den Aufwartungen der dornischen Adligen folgend, die in den letzten Tagen immer vermehrt zur Hochzeit anreisten und der Meinung waren sie müssten im Palast einfallen. Nicht mehr lange und Nymeria würde sein Weib sein. Er lächelte. Am heutigen Morgen hatte sie mit einem Mal in seinem Zimmer gestanden. Strahlend schön und mit einem verführerischen Lächeln auf den Lippen. „Hunger?“ hatte sie gefragt. Ja, er hatte Hunger gehabt. Aber nicht unbedingt auf die Speisen, die sie auftragen ließ. Ihm kam es in letzter Zeit so vor als wäre sie von Tag zu Tag zugänglicher, suche seine Nähe und ging auch vermehrt darauf ein wenn er mit ihr flirtete. Manchmal hatte er den Eindruck, dass sie zu dem ungetrübten Umgang aus der Zeit vor dem Vorfall zurückgekehrt waren. Aber er wusste, dass dies nicht möglich war. Was geschehen war konnte nicht ungeschehen gemacht werden. Aber wie zugänglich sie auch sonst zu sein schien, heute hatte sie sich nicht erweichen lassen. Sie schien müde, fast übernächtigt und wollte mit ihm reden. Sie setzten sich an den kleinen Tisch in seinem Gemach und Nymeria berichtete von dem Verhör des Meuchelmörders, der in dem Palastkerker vermoderte. Die Attentate auf ihr Leben häuften sich. Konnten bisher zum Glück aber ohne weitere Schäden abgewendet werden. Einen dieser Attentäter hatte man lebend fangen können und nun war er eingehend verhört worden. Doran war zuversichtlich, dass der Scharfrichter und Foltermeister Sonnspeers alle Informationen, die sie benötigten erhalten würde. Es sei denn, der Attenäter würde unter der besonderen Behandlung vorzeitig das Zeitliche segnen. Doran hatte den ausdrücklichen Befehl erteilt, man solle ihm reichlich Schmerz zu fügen, aber auf alle Fälle dafür Sorge tragen, dass er nicht zu früh verstarb. Jetzt berichtete ihm Nymeria was der Mann unter der Folter ausgesagt hatte. Einen Augenblick verstimmte es Doran. Wie es schien hatte man Nymeria noch vor ihm unterrichtet. Sicher, sie war noch immer die Regentin und würde bald seine Fürstin sein und sein Vertrauen zu ihr war ungebrochen. Trotzdem konnte er das Grummeln in seinem Bauch kaum verdrängen. Die Neuigkeiten waren gelinde gesagt beunruhigend. Der Unbekannte, der sich selbst „der Bote“ nannte, hatte viele Septone in Westeros auf seine Seite gebracht. Mit ihrer Hilfe verschaffte er sich Zugang zu den dornischen Adelshäusern und sie säten Zwietracht und Verrat. All die Söhne, die sich ungerecht behandelt oder  übergangen fühlten, waren das Ziel seinen Werbens. 107_003Der Gefangene hatte die Namen der Septone preisgegeben und Nymeria vertrat die Ansicht, dass das Fürstenhaus gezwungen wäre hier hart durchzugreifen. Doran stimmte ihr vorbehaltlos zu. Sie konnten nicht zulassen, dass sich Verrat innerhalb der Gemeinschaft Dornes einen Weg bahnte. Die Septone mussten festgenommen, eingesperrt und verhört werden. Mehr noch. Man musste die Namen der Häuser herausfinden, die vom Verrat infiziert worden waren. Erst ihr erleichtertes Ausatmen und die darauf folgenden Worte machten ihm klar, dass sie angenommen hatte er würde einem harten Durchgreifen nicht zustimmen. „Nymeria, es fällt mir nicht leicht dornisches Blut zu vergießen. Aber wir müssen das Übel an der Wurzel packen. Wir können nicht zulassen, dass der Verrat einen Boden zum Wachsen findet. Alle Verräter Dornes müssen erkannt und bestraft werden.“ Sie besprachen die weitere Vorgehensweise und Doran beobachtete sie. Doran konnte sich gar nicht satt sehen an der kleinen Wölbung, die nun jedem der genauer hinsah verriet, dass sie sein Kind trug. Obwohl sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, wusste er das sie der Geburt mit Angst im Herzen entgegen blickte. Sie versuchte sich durch Engagement und Arbeit von ihren Sorgen abzulenken, aber durch die Beanspruchung wurde sie auch schneller müde und Doran befürchtete, dass die fehlende Kraft am Ende ihr Schicksal besiegeln würde. 107_004Er würde dies nicht zulassen. Er hatte Raben und Boten versandt um die Besten zu finden. Er suchte Maester wie weise Frauen, die Erfahrung und Sachverständnis auf dem Gebiet der Heilkunde bei Geburten vorweisen konnten. Er liebte Nymeria und er brauchte sie. Er würde nicht zulassen, dass sie bei der Geburt ihres Kindes sterben würde. Aber allem voran würde sie dafür Kraft benötigen.

 

Der Rückkehrer

Doran brauchte einige Zeit bis er sich an all die Einzelheiten erinnern konnte, die Nymeria ihm bezüglich Beltran Santagar mitgeteilt hatte. Ehemaliges Ratsmitglied, von Nymeria auf die Mission geschickt ihre Kinder zum Abor und in Sicherheit zu geleiten. Ein geschulter und erprobter Ser mit einem Hang zu poetischen Ergüssen. So weit, so gut. Jetzt stand eben dieser Ser vor Doran und bat um eine Audienz um seine unaussprechlichen Nachrichten weiter zu geben. Doran schickte einen der Bediensteten hinauf in Nymerias Gemach. Sie hatte Gemächer unweit der seinen bezogen, allerdings war sie wohl noch nicht dazu gekommen, sie nach ihrem Geschmack einzurichten. Zumindest hatte Doran noch keine Träger beladen mit Kommoden, Spiegeln und derlei durch den Palast stapfen sehen. Sie würde es sich schon gemütlich machen wenn sie soweit war. Charis hatte großzügig angeboten, die Wiege in das Zimmer bringen zu lassen in dem schon Doran und Naerys gelegen hatten. Aber Doran hatte sie an Nymeria verwiesen. Solcherlei sollten die Frauen lieber unter sich ausmachen.dorne200_001

Doch Nymeria war nicht in ihrem Gemach anzutreffen, so meldete der Diener und Doran ging mit Ser Beltran hinab in sein Arbeitszimmer. Dort traf er zu seinem Glück an seinem Arbeitstisch sitzend Nymeria, an. Sie schrieb gerade eifrig etwas in die Bücher und als sie aufblickte sah er in ihrem Blick den Ärger über die Störung. Es dauerte nur ein paar Sekunden und dann hatte ihre Unbill einer höflichen und herzlichen Begrüßung Platz gemacht. Er war immer wieder beeindruckt wie vermeintlich leicht ihr diese Dinge fielen, als wäre es ihr in die Wiege gelegt worden. dorne200_002Sie setzten sich gemeinsam an den Besprechungstisch und nachdem Ser Beltran nach den üblichen Höflichkeits- und Anstandsfloskeln zu berichten begann kroch es nicht nur Doran kalt über den Rücken. Zunächst einmal war die Reise zu aller Zufriedenheit verlaufen. Ser Beltran hatte Nymerias Kinder gut an den Abor gebracht. Nur die Heimreise war gefahrvoll und wie Ser Beltran sagte sehr sehr lang gewesen. Eine genaue Zeitabfolge hätte wohl den Rahmen des Abends gesprengt und so beschränkte sich der Ser, mit dem Hinweis er werde wohl ein Epos(t) über seine Abenteuer verfassen, auf die wichtigen Details. dorne201_001Allem Anschein nach waren er und seine Knappin, Miranda Dayne von dem Heer, das in Bälde auf Ser Azrael treffen sollte gefangen genommen worden. Der Heerführer mit Namen Ser Dondarrion hatte ein Treffen mit einem Mann, dem er zur Verwunderung Ser Beltrans viel Respekt und Ehrerbietung entgegen gebracht hatte. Beltran hatte dieses Treffen gefangen im benachbarten Zelt belauschen können. Es war von einem Drachenei  in Dorne die Rede gewesen, das „der Bote“ wie der geheimnisvolle Fremde genannt wurde, mit großem Eifer in seine Hände bekommen wollte. Zudem hatte Ser Beltran auf seiner Reise von einer Bruderschaft der „leuchtenden Wahrheit“ erfahren, die im fanatischen Wahn an die Sieben für den eisernen Thron in den Krieg zogen oder zumindest ihn finanzierten. Nach Beltrans Beobachtung handelte es sich bei den Mitgliedern der Bruderschaft um religiöse Eiferer, die anhand ihrer Kleidung und ihrem Auftreten dem nordischen Adel zu zuordnen waren. Erschreckend war für Ser Beltran die Tatsache, dass jene Eiferer einen unerschütterlichen und über die Maßen selbstsicheren Glauben an einen Sieg im Namen der Sieben hatten. Doran vertrat die Ansicht, dass es im Wesen religiöser Eiferer lag unerschütterlich und übermäßig selbstsicher an einen Sieg zu glauben. Solche Menschen hatten in der Regel sich diesem Glauben völlig und ohne Ausnahme unterworfen. Wenn sie nicht an einen Sieg glaubten würden sie sich doch unweigerlich Selbst und ihre Überzeugungen in Zweifel ziehen.  Nichts desto trotz war ein solcher Feind ernst zu nehmen und mit Sicherheit nicht zu unterschätzen, aber dennoch, und daran glaubte Doran fest, besiegbar. Nach einer geglückten Flucht, bestiegen Ser Beltran und seine Knappin ein Schiff nach Sonnspeer, nur um auf ihm der nächsten Gefahr Aug in Aug gegenüber zu stehen. Ser Beltran hatte erfahren, dass auf dem Schiff Attentäter auf dem Weg nach Sonnspeer waren um der Schlange den Kopf abzutrennen. Doch mit diesem Kopf, war wider Erwarten nicht der des Fürsten gemeint, sondern Nymerias überaus hübscher Kopf. Man hatte also Attentäter geschickt um die Regentin zu ermorden. Doran spürte wie die Sorge seine Kehle zuschnürte. Sicher war das zu erwarten gewesen und als er zu Nymeria hinüberblickte, wurde ihm bewusst, dass er selbst sie dieser Gefahr ausgesetzt hatte und auch in Zukunft aussetzen würde. Denn selbst wenn er sie nun sofort als Regentin absetzen würde, spätestens wenn er die Ehe mit ihr einging würde sie wieder im Fokus seiner Feinde stehen. Dieser Gefahr musste man auf anderem Wege beikommen. Ser Beltran hatte zum Glück, diese Attentäter überwältigen könne, auch wenn er und seine Knappin nur knapp mit dem Leben davon gekommen waren. Miranda Dayne erholte sich noch immer von einer schwerwiegenden Vergiftung, die sie bei der Begegnung mit den Attentätern davon getragen hatte. dorne201_002Doch so unangenehm Ser Beltrans Mitteilungen auch waren, nichts war für Doran so verstörend wie dessen nächsten Worte. „Mein Fürst, ich weiß nicht wie ich es euch schonender beibringen kann, deshalb sag ich es frei heraus. Auf unserer Reise hörten wir ein Gerücht, dass in den Wäldern um Summerhall ein entstellter und halb verbrannter Mann haust, der lauthals verkündet er wäre der wahre Fürst von Dorne. Dorans Gedanken wirbelten wild umher. Das konnte nicht stimmen, konnte nicht möglich sein. Kein Mensch, außer vielleicht ein Targaryen konnte ein Scheiterhaufen überleben und ein Targaryen wäre beim Überleben sicher weder entstellt noch halb verbrannt. Und obwohl natürlich in den Adern der Martells ein wenig Targaryen Blut floss, wenn auch durch die Generationen verwaschen, musste es nur ein Gerücht sein, ein besonders bösartiges. Doran wollte nicht daran glauben, dass sein Fürst, sein Bruder gezeichnet durch die Wälder irrte.dorne201_003Nachdem Ser Beltran sich mit dem Hinweis, er wolle nochmals einen Besuch an Miranda Daynes Krankenbett vornehmen, verabschiedete unterhielten Nymeria und Doran sich noch viele Stunden über die beunruhigenden Neuigkeiten die Ser Beltran Santagar zu ihnen gebracht hatte. Es war schon tief in der Nacht als die Müdigkeit sie schlussendlich in die Knie zwang. Nymeria blickte ihn an. Ihr Lächeln, das sie ihm schenkte war nicht von Freude gekennzeichnet und doch dorne201_004umfing es Doran wie ein Mantel in der Kälte. „Wir sollten zu Bett gehen, Doran. Möchtest du mit in mein Gemach kommen.“ Sein Blick warm wie der ihre fuhr über sein Gesicht. Erfreut und mit ungewollt rauer Stimme antwortete er ihr : „Ja, Nymeria. Das möchte ich. Vielleicht können wir gemeinsam die üblen Geister dieser Nachrichten für eine Weile verscheuchen.“ Sie nickte und ihr Lächeln wurde herzlicher.

„Ja, das habe ich gehofft.“

Treue und Tatkraft

„Ich weiß, ihr seid so etwas wie Freunde, Doran. Aber Daeron ist nur mein Bruder. Er hat kein Recht auf eine Sonderbehandlung.“ Nymerias Worte als ich ihr vorschlug sie solle doch mit Daeron im Privaten sprechen. Ich sah, dass in einem anderen Licht doch es lohnte sich auch nicht darüber Streit vom Zaun zu brechen. Sie hatte mir einst erzählt, dass er sich vor Lachen halb ausgeschüttet hatte, als Nymeria ihm von meiner Absicht sie zu ehelichen erzählt hatte. dorne105_001Vielleicht ein Fortschritt, zumindest lachte er diesmal nicht. Ich hatte ihn auf ein Gespräch in den Palast gebeten und informierte ihn, dass alsbald seine Schwester die Fürstin von Dorne sein würde. Doch seine eindringlichen Worte, dass ich politisch gesehen mein eigenes Grab schaufelte waren auch nicht ohne. Wenn auch nicht dazu geeignet meine Meinung zu ändern. „Doran, schau dir ihre Kinder an. Sie sind krank und schwächlich. Du brauchst einen gesunden Erben für den Thron Dornes.“ Sein Zweites schwerwiegendes Argument. Ich wusste nicht wieviel er über die Hintergründe bezüglich Nymerias und Carlys Kinder wusste und an mein Versprechen darüber Stillschweigen zu wahren hielt ich mich. Also fragte ich ihn lediglich. „Wieviel weißt du über ihre Kinder, Daeron? Nymeria ist jetzt Älter ihr Körper kräftiger. Nur die Sieben haben es in der Hand. Außerdem sind die Würfel bereits gefallen, Daeron. Nymeria trägt mein Kind.“dorne105_002„Ich werde immer treu zu dir stehen, Doran. Du kannst dich auf mich und die Meinen verlassen. Wie es scheint ist es mir doch bestimmt, eines Tages für dich zu sterben.“ In seinem Gesicht erschien ein leicht spöttisches Lächeln, mit dem er mein Arbeitszimmer verließ. Ich blickte ihm nach. Seine vehementen Worte waren nicht ohne Eindruck geblieben. Ich stimmte ihm nicht zu. Nymeria als Fürstin an meiner Seite zu haben würde sicher nicht meinen politischen Selbstmord darstellen, allerdings würden einige der dornischen Familien nicht erfreut darüber sein. Sie war eine geborene Uller, doch er hatte Recht. Jetzt war sie ein Dalt, die die Lehen ihres verstorbenen Mannes verwaltete bis Carlys Söhne alt genug waren, diese Aufgabe zu übernehmen. Aber dennoch sie war eine kluge, selbstsichere und starke Frau. Ihr Geschick die letzten Monde Dorne zu regieren, ohne dafür vorbereitet und gelehrt worden zu sein, sprachen für sich. Als Erbe des Hauses Martell stand noch immer Marons Sohn Doran zur Verfügung, sollten die Sieben meinem ungeborenen Kind nicht erlauben gesund das Licht der Welt zu erblicken. Doran bezweifelte das Nymeria es zulassen würde, dass sein Samen je wieder in ihr Wurzeln schlagen konnte und die Tatsache, dass er gern sein eigenes Kind eines Tages auf dem Thorn sitzen sehen wollte, blieb unbestritten. Er trank einen Schluck Wein. Nein! Seine Entscheidung war gefallen, ob er klug oder dumm, weise oder egoistisch entschieden hatte konnte nur die Zukunft eindeutig klären. 303_002Die nächsten Wochen vergingen in Vorbereitungen. Vorbereitungen für Nymerias Abreise, Vorbereitungen für die Rückkehr von Charis Kindern und Vorbereitungen Doran auch ohne Nymerias Rückendeckung zu wappnen, dass niemand aus seinem Gedächtnisverlust Vorteile schlagen konnte. Die Tage bestätigten ihn in seinem Glauben, dass sie ein gutes Gespann abgaben. Sie absolvierten die Audienzen und Gespräche allesamt gemeinsam. Und waren sie in vielen Überzeugungen und Wesensarten unterschiedlich, so ergänzten sie einander auf wunderbare Weise. Kaum ein Tag verging an dem sie nicht produktiv und erfolgreich waren. Und doch lag eine unleugbare Anspannung in Allem war spürbar und fast greifbar. Nach der ersten Nacht hatten sie ihr Lager nicht mehr miteinander geteilt und doch gingen sie freundschaftlich, harmonisch, ja sogar vertraut miteinander um. Die Ruhe und die täglichen Aufgaben gemeinsam mit ihr zu bewältigen, stärkte Doran auf eine Weise die er nie für möglich gehalten hatte. Sein Bein schmerzte von Tag zu Tag weniger, seine Muskeln fanden zu alter Stärke und ab und an erwischte er sich wie er sich fast wieder vollständig fühlte. Bis eines Tages ein Rückkehrer in der Tür stand, der wie er sagte „unaussprechliche Neuigkeiten“ mit sich brachte. Beltran Santagar!

Entscheidungen

Natürlich zog sie vor nicht an seinem Arm zum Palast zurück zu gehen. Die Wachen holten die Pferde und sie ritten zurück zum Palast. Ihre Signale waren so widersprüchlich, dass es Doran langsam nervös machte. „Mein Platz ist im Palast.“ Hatte sie gesagt, als er ihr die Wahl gelassen hatte in die Residenz der Dalts oder in den Palast für ein kleines Abendbrot einzukehren. Nymerias Wortwahl ließ Hoffnung in ihm aufkeimen. Doch dann wieder die Abkehr einen Ritt seiner Begleitung vorzuziehen. Er musste aufhören sich über solcherlei Gedanken zu machen, über ihre Beweggründe und über ihre anstehenden Entscheidungen. Weder würde er dadurch schneller eine Antwort erhalten, noch konnte er ihre Entscheidungen auf diese Weise beeinflussen. Aber zu wissen was man tun sollte und es tatsächlich zu tun waren manchmal zweierlei. Nachdem die Bediensteten beim Absteigen behilflich waren und die Pferde zur Versorgung in die Stallungen brachten ging Doran mit Nymeria hinauf auf die Familienterrasse. dorne101_003
Die Dienerinnen trugen eiligst einige leichten Speisen auf und Doran lehnte sich, den Blick auf Nymeria gerichtet, gemütlich in die Kissen. Sie sah bezaubernd und anziehend aus wie sie so an der Balustrade stand. Das Licht der untergehenden Sonne warf geheimnisvolle Schatten auf ihr Gesicht und Doran spürte wie sein Schoss reagierte. Als sie sich zu ihm drehte und ihm ein leichtes Lächeln schenkte drehte er sich auf den Kissen zur Seite damit sie seine Erregung nicht allzu deutlich für sie wurde. „Komm setzt dich Nymeria. Ich denke das lief sehr gut heute. Du musst schon zugeben wir sind ein gutes Gespann wir zwei.“ „Ja, die Verabschiedung war erfolgreich und ich bin sicher sie hat ihren Zweck gut erfüllt. Du erwartest sicher eine Antwort auf deine gestrige Frage?“ Sie hatte sich in die weichen Kissen gesetzt und griff zu den Speisen. Ein flaues Gefühl ging durch seinen Magen. Er wollte es wissen und doch wünschte er sich jetzt, dass sie es nie aussprechen würde. „Ja, das will ich Nymeria aber zuvor gibt es noch etwas das ich tun möchte.“dorne-101_001
Langsam beugte er sich zu ihr. Sah ihr in die funkelnden dunklen Augen. Seine Hand fuhr über ihr Haar und strich es sanft von ihrer Wange. Sacht und behutsam küsste er sie. Gab ihr Raum sich ohne viel Aufhebens zurückzuziehen und doch musste er diese Lippen noch einmal auf den seinen spüren. Für einen Moment spürte er wie ihr Körper sich anspannte. In der Erwartung, dass sie sich gleich von ihm zurückziehen würde küsste er sie inniger ließ seine ganze Leidenschaft hineinfließen um vielleicht ein letztes Mal ihren Kuss zu genießen. Abgelenkt durch die süße ihrer Lippen den herrlichen Geschmack ihres Mundes dauerte es einen Moment bis die Erkenntnis zu ihm durchdrang, dass sie sich keineswegs von ihm zurückzog. Im Gegenteil ihre Hände hatten sich in sein Haar vergraben zogen ihn dichter heran und noch bevor er sich versah hatte sie ihn über sich gezogen.Wild küsste er sie, verlor sich in ihr und ihrer Leidenschaft.

Entspannt und mit einem Lächeln auf den Lippen erwachte er am nächsten Morgen. Ihren Duft noch in seiner Nase und die frische Erinnerung einer Nacht der ungebändigten Leidenschaft vor seinen Augen. Er drehte sich um doch ihre Seite war verwaist. „Nymeria?“dorne103_001

„Ich bin hier.“ Sie stand nahe bei der Tür, die zur Terrasse führte, mit nichts als einem dünnen Leibchen und einem Lächeln bekleidet und er wusste nicht ob sie je schöner gewesen war oder sein konnte.  „Hunger? Ich habe etwas auftragen lassen, Doran.“ Er schmunzelte. „Ja, einen Bärenhunger sogar. Ich habe uns gestern etwas vom Essen abgelenkt.“ Er hörte ihr Lachen in ihren Worten „Ja, das hast du wohl.“ Er zog sich schnell eine bequeme Hose über und ging zu ihr. Küsste sie auf den Mund und folgte ihr nach draußen. „Bei den Sieben da hat sich die Dienerschaft aber wirklich Mühe gegeben.“ Sein Blick schweifte über den opulent gedeckten Tisch auf dem eine Leckerei nach der anderen aufgetürmt worden war. Nachdem sie Platz genommen hatten, mit Freude bemerkte er das sich Nymeria in seine unmittelbare Nähe platzierte, schenkte Nymeria sich selbst einen Tee ein und er griff ebenfalls herzhaft zu.dorne103_003

„Nun ja du wirst dich daran gewöhnen müssen, dass die Dienerschaft ihre Fürstin mehr fürchtet als ihren Fürsten.“ Ihre Worte klangen leichthin und so entging ihm fast die schwere der Bedeutung dessen was sie gesagt hatte. Sein Herz setzte für einen Moment aus und mit einer Welle der freudigen Überraschung die in seinem Leib kapriolen schlug brachte er fast atemlos hervor. „Was hast du gerade gesagt? Hab ich das richtig verstanden? Du wirst mich heiraten, Nymeria?“  „Ja, das hab ich gerade gesagt, Doran.“